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Teilnehmerblitzlicht Innovation Impuls 11 – CSR ist tot. Es lebe Responsibility

„Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist
Es wär‘ nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt“

Den meisten Menschen ist wohl bewusst, dass so etwas wie „Corporate Social Responsibilty“ existiert. Dass wir eine Verantwortung haben als Unternehmen, aber auch als Einzelperson und es ein Stück weit unsere Pflicht ist, etwas zurückzugeben. Doch Daniel-John Riedl, Speaker bei unserem 11. Innovation Impuls, hebt das Thema auf ein neues Level.
Da ist es sicher nicht verwunderlich, dass ich etwas sprachlos zurückgeblieben bin, und auch jetzt fällt es mir noch schwer, die richtigen Worte zu finden. Es war ein sehr impulsreicher Abend zum Thema (Corporate) Social Responsibility, bei dem sowohl ein Songtext der Ärzte zitiert als auch das Wort Inspiration nochmal genau definiert wurde.

Foto von Lisa Röttgen
Lisa Röttgen

Werkstudentin

Anpacken statt Protestkultur

Direkt zu Beginn macht der Aktivist und Initiator des #TUES Movement und Mitgründer von #YouDoMakeADifference deutlich, dass es uns mit unserem dicken Mittelstandsbauch sehr gut geht. Dabei geht er jedoch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vor, vielmehr ist es sein Anliegen, die Menschen dazu zu inspirieren anzuerkennen, dass jeder von uns einen Unterschied bewirken kann. Das ist viel wichtiger als dauernd gegen Ungerechtigkeiten zu protestieren und nur darauf hinzuweisen, was andere (die Politik, die Verwaltung, „die anderen da oben“) versäumt haben. Protestkultur liegt Daniel-John fern, sie sei nicht hilfreich. Viel wesentlicher ist es für ihn, durch das eigene Verhalten Teil der Lösung zu sein, Dinge verkümmern, wenn wir uns nicht um sie kümmern.

Zu echter Verantwortung inspirieren

Doch was bedeutet Inspiration eigentlich genau? Schließlich verwenden wir alle den Begriff häufig und gerne. Daniel hinterfragt das bereits zu Beginn des Abends und gibt nicht nur eine Antwort, sondern leitet daraus auch direkt einen Anspruch an sich selbst ab: Wörtlich bedeutet „inspirare“, etwas von außen hineingehaucht zu bekommen. Sein Anspruch ist es, uns inspiriert in den Abend zu entlassen. Und das bedeutet seiner Ansicht nach nichts weniger, als dass wir uns wie wiederbelebt fühlen. Mit neuer Energie, um einen Wandel in unser Leben zu tragen.

Verantwortung ist kein Projekt, sondern Haltung

Ein Wandel, so Daniel, bedeutet zuallererst, Responsibilty nicht (mehr länger) als Projekt zu betrachten, wie z.B. eine Spendenaktion zu Weihnachten, damit auch zu Jahresende noch schnell das CSR-Budget genutzt wird, sondern viel mehr als eine innere Haltung. „CSR ist tot“ meint keineswegs, dass Verantwortung für Unternehmen kein Thema mehr ist oder sein sollte, sondern das genaue Gegenteil. Denn die Schere der sozialen Ungleichheit wird immer größer, die Vereinsamung der Bevölkerung schreitet fort und es herrscht ein regelrechter Overload an schwierigen Themen. Und nur aus einer echten Haltung heraus können wir einen positiven Beitrag leisten, der diesen Themen gerecht wird.

Wir brauchen mehr Freud’sches Es

Daniel-John ist überzeugt: In der Theorie ist alles gesagt, an der Umsetzung hapert es. Wenn es um soziale Verantwortung geht, wird viel geredet und diskutiert aber nun müssen wir zu Tat kommen, so seine Mission. Wann und wie schreiten wir nun zur Tat? Freud hätte seine reine Freude an Daniel-Johns Antwort: Der Speaker erinnert uns an kleine Kinder, die nichts mit Theorien am Hut haben aber umso präsentere Instinkte und Emotionen. Und daran, wie gut sich ein Kind fühlt, wenn es sich ermächtigt und seinen Instinkt in eine wirkungsvolle Handlung überführt hat. Also lasst uns die Kinder als Vorbild nehmen, einen Schritt wegtreten von unserem „Über-Ich“, das zwar wichtig für unser Leben aber überpräsent ist, und unserem „Es“ erlauben, wirksam zu sein. Aber was bedeutet das konkret, insbesondere für Unternehmen?

Diese Frage stellt sich auch Philip Pütz, Moderator des Abends. Wie sollen wir denn nun starten? Wie das Thema anpacken und umsetzen? Darauf gibt es keine klare Antwort und Daniel will niemandem einen Weg vorschreiben. Für ihn zählt, dass ein Anfang gemacht wird. Auf allen Hierarchie-Ebenen, von der untersten bis ganz an die Spitze, müssen die Leute zum Mitziehen gebracht werden. Jeder muss sich die Hände schmutzig machen und auch bereit sein auf Widerstand zu treffen. Es müssen keine großen Schritte und Taten sein, jeder bringt ein was er kann, aber trägt die Idee vorwärts.

Und eine Unternehmens-Haltung zu entwickeln und soziale Verantwortung zu tragen ist keine Einbahnstraße. Der Speaker betont, dass auch die Unternehmen viele Vorteile erhalten, wenn sie eine klare Haltung zeigen:

  1. Sinn und Identifikationsfindung von Mitarbeitenden
  2. Pull Effect für New Talents
  3. Unternehmen als Inspiration im gesellschaftlichen Kontext

Mehr Impact durch die Rückbesinnung auf den Markenkern

Zurück zur Spendenaktion (die sicherlich auch ihre Berechtigung hat, aber dennoch): Anstatt einmal im Jahr eine große und teilweise unpersönliche Weihnachtsspende zu verteilen, könnten wir uns zu Weihnachten zusammensetzen, uns über unsere Haltungen klarwerden und passende Projekte für das gesamte kommende Jahr planen. Aber was ist passend? Auch hierauf findet Daniel-John eine Antwort: Als Unternehmen sind wir besonders wirkungsvoll, wenn wir uns auf die eigene Identität und Stärken zu besinnen. Spendet eine Personalberatung zu Weihnachten Rucksäcke an Obdachlose, ist das nett, aber einen echten Impact hat das nicht. Tut eine Rucksack-Firma dasselbe, ist das etwas ganz anderes, denn die Mitarbeiter der Rucksackfirma geben der Gesellschaft „ihr Ding“ – das macht auch mit ihnen etwas. Die Personalberatung hätte beispielsweise einen wesentlich höheren Impact, wenn sie regelmäßig Berufsberatungstermine für Jugendliche in Problemvierteln anbietet, die ansonsten scharenweise von einem veralteten Computer im BIZ geraten bekommen, Landschaftsgärtner zu werden, einfach weil sie angegeben haben, dass sie gerne an der frischen Luft sind.

Soziale Verantwortung zu zeigen, bedeutet die Bereitschaft, mit aller Expertise eine klare Haltung zu definieren, zu leben und zur Verfügung zu stellen, das wurde im Laufe des Vortrags immer deutlicher.

Ich habe viel aus dem Abend mitgenommen, viele Inspirationen aber auch eine neue Sicht auf soziale Verantwortung. Vor allem ist mir der Graswurzelaspekt im Gedächtnis geblieben. Daniel plädiert dafür, dass wir unser eigenes Gefühl der Unzulänglichkeit ablegen und anerkennen, dass auch kleine Dinge zählen. Ich bin der Meinung, dass das ein Punkt ist, den sich jeder von uns bewusst machen sollte.

Als Abschlussworte möchte ich gerne nochmal Daniel-John zitieren, denn ich finde diese Worte sehr kraftvoll:

#YouDoMakeADifference. Mit dem was du bist, hast und kannst!

Daniel-John Riedl

Danke für diesen inspirierenden und impulsreichen Abend!