Es ist selten, dass ein wissenschaftliches Paper über Computertechnologie nach fast fünf Jahrzehnten noch immer als Pflichtlektüre gilt. Doch genau das ist bei "The Protection of Information in Computer Systems" von Jerome H. Saltzer und Michael D. Schroeder aus dem Jahr 1975 der Fall. Obwohl sich die Hardware radikal verändert hat, bleiben die dort formulierten acht Design-Prinzipien das Fundament jeder robusten Sicherheitsarchitektur.
Heute wissen wir: Ein hohes Sicherheitsniveau lässt sich nur erreichen, wenn Sicherheit schon auf der Entwurfsebene (Secure by Design) angemessen berücksichtigt wird, da spätere Änderungen meist aufwendig und teuer sind.
Die Prinzipien von 1975 sind heute durch konkrete Implementierungsstrategien ergänzt und erweitert worden:
Heute werden die klassischen Ansätze um entscheidende Konzepte für die moderne IT-Landschaft ergänzt:
eval()). Ein wesentlicher Bestandteil moderner Sicherheit ist die Datenvalidierung. Dabei müssen Daten an allen Systemgrenzen restriktiv geprüft werden.
Saltzer und Schroeders Fokus auf Psychological Acceptability wird heute durch das Prinzip der Benutzerfreundlichkeit erweitert: Sicherheit darf die User Experience nicht so stark einschränken, dass Nutzer*innen Mechanismen umgehen. Transparenz und Erklärungen helfen dabei, die Akzeptanz zu erhöhen. Zudem erhöhen Technologiebrüche die Sicherheit signifikant. Das bekannteste Beispiel hierfür ist, dass das Passwort mit der Post versendet wird.
Die Prinzipien von 1975 und ihre modernen Ergänzungen sind keine starren Gesetze, sondern dienen als Leitfaden und Warnsignale. Ein Verstoß gegen ein Prinzip ist oft ein Symptom für ein tieferliegendes Risiko. In einer Welt, in der das Sicherheitsniveau durch das schwächste Glied bestimmt wird (Konsistenzprinzip), bieten diese zeitlosen Konzepte immer noch einen verlässlichen Rahmen für die Entwicklung angriffsresistenter Systeme.