Remote arbeiten in Zeiten von Corona

Wie ist es für unsere Coaches, in Zeiten von Corona remote miteinander und mit unseren Kunden zu arbeiten? Vier kurze Erfahrungsberichte.

Inhalt:

  • Der Agile Coach und die Krise
  • Christian im DINK-Office
  • Maren mit Teilzeitfamilie im Home Office
  • Florian und Familie
  • Frank, der Geschäftsführer

Der Agile Coach und die Krise

Als Agile Coach weiß man zurzeit gar nicht so recht, ob man (rein aus fachlicher Sicht) lachen oder weinen soll. Nun ist sie da, die Krise, die zeigt, wie notwendig es ist, sich schnell und gut auf Veränderungen einzustellen, auch unter dynamischen Bedingungen gut im Team zusammen zu arbeiten, die Digitalisierung und Automatisierung von alltäglichen Themen voranzutreiben –  und wie wichtig die Kommunikation ist. So manchem Unternehmen, welches schon seit Jahren hätte auf Remote-Fähigkeiten und den viel verschrienen Online-Handel hätte setzen sollen, droht aktuell ein böses Erwachen. Man könnte schwanken zwischen einem süffisanten: "Da schaut's her! Wir ham's ja schon immer gewusst!" und der Goldgräber-Mentalität eines: "Jetzt auf Remote umstellen! Wir helfen Ihnen durch die Krise! Ab sofort zum halben Preis!" Bei uns findet man weder das eine noch das andere, denn als Coaches haben wir eine klare Haltung gegenüber unseren Kunden und möglichen Kunden: Wir möchten gemeinsam eine bessere Arbeitswelt gestalten indem wir individuell schauen, wo wir ansetzen, um notwendige Veränderungen anzustoßen, ohne zu verurteilen. Aus der Historie haben wir bereits Erfahrung mit Remote-Arbeit und/oder arbeiten mit Videokonferenzen sammeln können. Dennoch sind wir, abgesehen von der Flexibilität uns dem Arbeitsort und der Art zu arbeiten, gleichzeitig auch Betroffene der Be- und Einschränkungen. Wie uns das beeinflusst und wie wir damit umgehen, da möchten wir Euch in den nachfolgenden Texten einen kleinen Einblick geben.

Christian im DINK-Office

Seit über zehn Jahren beschäftige ich mich nun bereits mit dem Thema Agilität, menschlichem Verhalten in dynamischen Gruppensituationen und verteiltem Arbeiten. Seit nun fast zwei Jahren darf ich daher, zusammen mit meinen Kollegen, den Coaching- und Trainingsbereich bei Cologne  aufbauen und unseren Kunden zu mehr Agilität verhelfen. Tagtägliche Veränderungen sind also keine Überraschung für mein Team und mich, genauso wenig wie die Arbeit im Home-Office, aber wie sich unser Alltag durch Corona (Sars-Cov2 respektive Covid-19) verändert hat, hat auch uns überrascht. Es ist schon interessant wie man als Mensch zunächst ungläubig vor dieser surrealen Situation steht, versucht die Lage zu analysieren und Daten zu sammeln. Nach der ersten Woche Schockstarre beginnen sich die Sinne wieder zu öffnen und man sieht, wie nach und nach die Arbeit ins Home-Office verlagert wird, Konferenzen online stattfinden und der Anschein von neuer Normalität einkehrt.

Aber was passiert da gerade mit uns? Im Gegensatz zu meinen Kollegen lebe ich in einem Double-Income-No-Kids Haushalt. Dadurch habe ich keinen Stress mit der Beschulung und Betreuung von Kindern während der täglichen Arbeit in den eigenen vier Wänden, aber auch weniger Strukturen und geregelte Tagesabläufe. Gründe zum Aufstehen, Anziehen oder Weitermachen sucht man vergebens. Einmal vor dem Laptop Platz genommen saugt es mich förmlich hinein, es gibt praktisch keine Pausen, keine längeren Wege. Das Mittagessen wird meist zu spät nachgeholt und der Feierabend findet oft sehr spät statt. Man vegetiert in einer Art Blase dahin. Ich bin froh, dass ich einen Arbeitgeber habe, der auch in dieser Zeit noch ausreichend Arbeit hat und für Home-Office bestens vorbereitet ist, aber auf Dauer ist das kein Zustand und ich weiß, dass nicht alle Menschen so viel Glück haben. Heimarbeit verleitet Menschen stets dazu mehr zu arbeiten und präsent zu sein, mehr noch als gesundheitlich gut oder vertretbar wäre. Außerdem fehlt der soziale Austausch, auch außerhalb der eigenen Familie. Denn wo soll man denn auch mal Dampf ablassen, wenn's zu Hause mal wieder hier und da klemmt. Mir helfen mein Team, ein klares Ziel und Struktur. Daher haben wir unseren täglichen Austausch zeitlich etwas nach vorne gezogen, wir haben uns Freizeitaktivitäten auf's Board geschrieben und arbeiten nun an eigenen Remote-Trainings. Das hilft dem Team und mir sehr in der aktuellen Zeit, aber eine Frage bleibt: Was kommt danach? Und so kreisen die Gedanken ...

Maren mit Teilzeitfamilie im Home Office

Seit einem Jahr arbeite ich nun als Agile Coach bei der CI und bin gerade als TeamCoach / Scrum Master bei einem unserer Kunden im Einsatz. Seit Anfang März bin ich nun im Home Office und arbeite sowohl mit meinem Team beim Kunden, als auch mit meinen Coach Kollegen ausschließlich digital. Gott sei Dank sind sowohl mein Arbeitgeber, als auch mein Kunde gut vorbereitet und offen gegenüber einem Einsatz remote. Die notwendigen Zertifikate, VPN Anwendungen und Collaboration Tools waren bereits vorhanden und Offenheit gegenüber weiteren/neuen Tools ist da. Aus meinem vorherigen Job als Personalchefin in einem Softwareunternehmen mit Kollegen in 13 Ländern und diversen Zeitzonen war ich Remote-Arbeit gewohnt und dementsprechend guter Dinge.

Nach nun mehr als vier Wochen zuhause stelle ich mir die Frage: "Was macht Home Office zu Zeiten einer Pandemie für mich nun so anders (denn das tut es)?"

Betrachte ich die Unterschiede wird es schnell deutlich.

  • Home Office war bisher möglich, jedoch nicht notwendig; wann immer ich im Büro sein wollte, konnte ich da sein
  • Ich war stets allein zuhause im Home Office, nun sind wir zu zweit, teilweise zu viert und schon bald zu fünft – die Ablenkung ist deutlich größer, denn es wollen Schulaufgaben korrigiert und Spiele gespielt werden
  • Das Erfahrungslevel und die Vorliebe für die Arbeit von zuhause ist sehr unterschiedlich
  • Aufgrund der hohen Belastung der Bandbreite, haben wir meist die Kameras aus, um die Verbindung stabil zu halten – Mimik und Gestik fehlen
  • Tools unterstützen produktive Meetings, können jedoch nicht alles ersetzen
  • ...

Wenn ich nur lange genug drüber nachdenke, fallen mir noch viele weitere Punkte ein. Doch wie regele ich für mich das Thema Home Office?
Ich gehe morgens und nach Möglichkeiten mittags und abends eine Runde spazieren, koche in der Mittagspause und halte auch mal einen Kaffeemaschinenplausch mit den Kollegen. Ich mache bewusst Feierabend, verabschiede mich von meinen Kollegen und stelle den Laptop weg.

In der Zusammenarbeit mit den Kollegen hat sich bewährt Verfügbarkeiten, Pausen und Tätigkeiten des Tages transparent für die Kollegen zu halten. Man bleibt im Austausch und dreht sich nicht nur um sich selbst und die eigenen Aufgaben. Für den Partner und die Kinder habe ich festgestellt, ist es essentiell, klare Vereinbarungen zu treffen. Wann können wir gemeinsam eine Pause machen und etwas spielen, wer hat wann ein Gespräch und kann dementsprechend keine Getränke und Snacks oder gar das Mittagessen kredenzen. Auf den Punkt gebracht: Struktur, klare Vereinbarungen, Überblick über alle Termine und genug zu essen im Haus machen das Leben als Familie im Home Office leichter.

Von vielen Familien lese und höre ich, dass sie Taskboards mit Ihren Kindern nutzen, um Schulaufgaben, Hausarbeit und Termine zu organisieren. Alles was zu tun ist transparent zu machen und somit dem möglichen Chaos entgegen zu wirken. Eine gute Idee, ich hole dann mal die Post-It's raus. Etwas Neues probieren, warum nicht.

Florian und Familie

Es ist nun etwas länger her als das Leben die Notbremse gezogen hat und plötzlich völlig still stand. Anfänglich dachte ich mir, dass das ja schnell vorbei geht und gut auszuhalten ist. Nun jedoch bin ich eines besseren belehrt worden: einerseits scheint eine „schnelle“ Rückkehr zur gewohnten Normalität mittlerweile in weite Ferne gerückt und das „Aushalten“ wurde auch zu diesem, zu einem Zustand den es zu ertragen gilt.

Den Alltag versuchen wir als Familie in veränderter Form zu organisieren, die Schule findet plötzlich im Wohnzimmer statt, die Arbeitsmöglichkeiten für uns Eltern eingeschränkt, da wir nicht den Luxus von zwei zusätzlichen Bürozimmern haben. Jedoch halten wir an einigen Dingen fest, die uns Halt und Normalität geben. Wir stehen wie üblich auf unter der Woche, wir ziehen uns an, als ob wir ins Büro gehen, oder aber in die Schule und wir sorgen dafür, dass wir jeden einzelnen Tag Sport machen.

Nicht nur wir Erwachsenen benötigen einen Ausgleich, gerade Kinder, manchmal gefühlt mit einem unerschöpflichen Akku ausgestattet, benötigen diesen, um sich die gesunde Mentalität bewahren zu können. Damit ich mich organisiere gehe ich in der Früh an meinen Laptop, ich schaue nach, ob es Neuigkeiten gegeben hat. Falls dem nicht so ist, dann schaue ich, ob ich mir noch Aufgaben vom Vortag mitgenommen habe. So erhalte ich einen Überblick an möglichen Aufgaben, die noch so anstehen. Diese priorisiere ich mir dann entsprechend für den Tag.

Für mich ist es extrem wichtig, keine "work-life-fusion" zu fahren. Ich mache einen harten Schnitt und dann ist die Arbeit fertig. So schaffe ich es mein privates Leben von der Arbeit zu trennen und meine vier Wände nicht zum neuen Büro zu machen. Damit erhalte ich mir zudem die Hoffnung, dass alles nur temporär ist und ich bald wieder meine geschätzten Kollegen persönlich sehen kann.

Also, haltet Euch fit, achtet auf die Ernährung und trennt Arbeit und Privates mit der Familie. Vor allem aber, seht positiv in die Zukunft, bald können wir bestimmt wieder Freunde und geliebte Menschen auf ein Bier treffen in der warmen Sommersonne!

Frank, der Geschäftsführer

Eins vorab: Mir geht‘s gut, ich bin zuversichtlich und versuche jeden Tag das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Ich kann nicht sagen, wie lange das noch dauern wird und möchte mich auch nicht mit dieser Frage beschäftigen, weil wir uns jeden Tag auf neue Situationen einstellen müssen – wie in unseren Projekten und Coachings eben auch.

Eine neue Herausforderung war tatsächlich das Homeoffice über einen so langen Zeitraum. Ich habe erst am Esstisch gesessen, auf einem normalen Stuhl, habe 10h ohne Pause in der Regel in irgendwelchen Telkos gesessen und habe mich dabei ertappt, dass ich viel lauter spreche, wenn ich vor einem Mikro sitze. Das war echt anstrengend. Mittlerweile habe ich einen ordentlichen Bürostuhl, mache regelmäßig Pausen, fahre abends noch eine Runde Rad oder mache auch mal um 15 Uhr den Rechner aus. Ich telefoniere viel öfter und mehr mit Freunden als früher und spiele gelegentlich abends noch eine Runde Online-Poker mit meinen Freunden.

Ich kann in diesen Zeiten viel Positives entdecken und hoffe, dass wir uns das danach auch beibehalten. Das sind: Plötzlich sind alle pünktlich in Meetings, die Technik funktioniert, ich habe keine Fahrzeiten zum Kunden mehr und tue etwas damit für unsere Umwelt. Das Remote Arbeiten wird insgesamt professioneller und alle merken, dass es so geht. Natürlich fehlen mir auch die "realen" menschlichen Kontakte, aber ich sehe das alles auch als Chance, weil es für mich funktioniert und wir meiner Erfahrung nach wieder mehr darauf achten, was wichtig ist: Sich gegenseitig unterstützen und helfen, Im Job und privat. Und einen Tipp noch: Ich schaue nur noch alle drei Tage Nachrichten, weil mir die Informationsflut von Experten oder vermeintlichen Experten einfach zu viel ist und ich daran nichts Positives entdecken kann.